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Tagebuch eines Draussenduschers

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Das Tagebuch
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8. August 2005

Zuviel Wasser – unter der Erde

Mitte Juli, genau am 15., gab es einen Tag mit Wetter, das früher nur alle paar Jahrzehnte vorkam. Zuerst hat es nachmittags gehagelt, etwa erbsengroße Körner, nichts wirklich schlimmes. Die Kinder sind durch den Garten gerannt, haben die Hagelkörner aufgefangen und gelutscht. Das Wetter hat sich bald wieder beruhigt, um zwei Stunden später dann viel heftiger zuzuschlagen.

Gegen 18.30 Uhr begann ein heftiges Gewitter, das nur etwa 20 Minuten dauerte. Es gab so viel Regen, dass es erstmal von der Strasse großzügig auf unser Grundstück lief, ums Haus herum und dann in einem Bach auf unsere Wiese und die Wiese hinter dem Grundstück. Das meiste Wasser kam erst, nachdem der Regen schon aufgehört hatte. Es läuft aus mehreren Seitenstraßen nach und nicht weit von uns ist wohl die tiefste Stelle von Straße, Ortsteil, Dorf ... aber das ist eine ganz andere, ziemlich lange Geschichte.

Einer von mehreren Effekten war, dass der 1 Meter tiefe Pumpenschacht runde 40 cm tief mit Wasser gefüllt war. Eine Handbreit Wasser hatten wir ja schon mal für kurze Zeit, aber das hat mich dann doch überrascht. Gemerkt habe ich es dadurch, dass am kommenden Morgen sofort nach dem Einschalten der Pumpe die FI-Sicherung kam. Da ich schon was gelernt habe, lupfte ich den Deckel vom Pumpenschacht und sehe ... meine gute Pumpe steht komplett im Wasser.

Das kann man einer Pumpe nicht übel nehmen, sie ist ja kein U-Boot. Vor meinem geistigen Auge sehe ich schon meine Frau zum Pumpenmenschen fahren und ganz unschuldig mit einem »also irgendwie geht die Pumpe nicht mehr« den Kaufbeleg und die Garantiepapiere hinzulegen. Aber es kam anders: Wasser ablassen, schätteln, über Kopf schätteln, drehen, Wasser rauspusten, alles angestellt und immer noch gluckert es. Wegen der Garantie ignoriere ich die Schrauben an der Schalterkiste solange, bis ich sehe, dass sie in keiner Weise versiegelt sind. Also aufgeschraubt, die Elektronik ist komplett im Wasser. Tja, da versteht dann auch der letzte, warum der FI-Schalte kommt und die Pumpe schweigt. Auch dies nun ausgeschättelt, ausgepustet, wieder gedreht und geschättelt, dann einen Tag in die Sonne gestellt. Und was soll ich sagen, nachdem alles trocken und der Deckel wieder drauf war – geht die Pumpe wieder. Hat man so was schon gesehen? Elektronik abgesoffen und nach dem trocknen geht alles wieder? Also meine Achtung vor diesem Stück Technik ist an diesem Tag arg gestiegen. Der Hersteller fängt mit G an und hört mit rundfoss auf.

Noch gar nicht erwähnt habe ich, dass das Gewitter, genauer gesagt der Wind, noch einen zweiten Effekt auf unser Grundstück hatte. Unser 80-100 Jahre alter Walnussbaum, der mitten auf unserer Wiese steht, neigte sich unter den böigen Westwinden von aufrecht auf etwa 45° Schräglage, während wir vom Wohnzimmer aus nur zusehen konnten. Das hat schon etwas dramatisches, gerade so ein großer Baum ist im Garten ja allgegenwärtig, als Blickfang, als Schattenspender, als dicker Stamm. Wenn er fällt, und man steht nur hilflos daneben, dann sind die Rollen an dieser einen Stelle einmal wieder klar aufgeteilt.

Das Trauern um unseren Baum half natürlich nichts, er musste innerhalb weniger Tage gefüllt werden, um nicht noch auf Nachbars Grundstück zu fallen. Ob ein großer Baum im allgemeinen und ein Walnussbaum im speziellen jetzt an dieser Stelle schön und wünschenswert wäre, darüber kann man sich streiten. Wir haben auch noch garnicht entschieden, ob an diese Stelle ein Nachfolger treten wird. Eins steht aber fest: so ein ausgewachsener Walnussbaum zieht viel Wasser – seit dem 15. Juli steht im Pumpenschacht das Wasser bei 70-60 cm unter Gelände. Auch wenn ich es ausschöpfe, fliesst es nach; es ist also wirklich Grund- oder Schichtenwasser und kein Oberflächenwasser.

Seit zwei Wochen steht meine tolle, unterwassergeprüfte Pumpe in ihrem Schacht auf einem Plastehocker, den mir unser Nachbar geliehen hat. Und ich beobachte täglich, wie tief Nachbars Hocker im Wasser steht.

Ganz nebenbei: heute früh waren seit einiger Zeit wieder mal knapp unter 10°C. Der kleine Unterschied war da, für den Herbst ist es schon mal ein Vorgeschmack.